Im letzten Beitrag haben wir gesehen, wie eine gewöhnliche Rolex Submariner durch den Tausch von Zifferblatt und Lünette zum scheinbaren Hulk wird. Der Schlüssel zur Aufdeckung solcher Manipulationen liegt in der Referenznummer. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Kombination aus Zahlen und Buchstaben?
Die Referenznummer ist bei Rolex weit mehr als eine reine Artikelnummer. Sie ist ein präziser Code, der Modell, Generation, Material und Ausstattung der Uhr beschreibt. Wer ihn lesen kann, hat einen entscheidenden Vorteil beim Kauf.
Was ist eine Referenznummer und wo findet man sie?
Der Unterschied zur Seriennummer
Viele Käufer verwechseln Referenznummer und Seriennummer. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Die Seriennummer ist die individuelle Kennung einer einzelnen Uhr – sie ist bei jedem Exemplar einmalig und gibt Auskunft über das ungefähre Produktionsjahr. Die Referenznummer hingegen bezeichnet das Modell: Alle Rolex Submariner "Hulk" tragen die Referenz 116610LV, egal ob neu oder gebraucht, egal welches Jahr.
Wo steht die Referenznummer?
Rolex graviert die Referenznummer traditionell auf der Flanke des Gehäuses, sichtbar zwischen den Bandanstößen bei 12 Uhr, wenn das Armband abgenommen ist. Bei neueren Modellen ab ca. 2008 findet man sie zusätzlich auf dem Gehäuseboden. Bei Originaluhren ist die Gravur scharf, gleichmäßig und gut lesbar – bei minderwertigen Fälschungen oft flach, unregelmäßig oder gänzlich fehlend.
Das aktuelle System: sechsstellige Referenznummern
Aufbau einer modernen Rolex Referenz
Seit Mitte der 2000er Jahre verwendet Rolex ein sechsstelliges Nummernsystem, das durch Buchstaben am Ende ergänzt werden kann. Die Ziffern sind kein Zufall:
Die ersten zwei Ziffern stehen für die Modellfamilie: 11 für ältere Submariner-Generationen, 12 für aktuelle Modelle, 11 oder 12 auch für GMT-Master-Varianten. Die nachfolgenden Ziffern kodieren Generation, Gehäusematerial und Ausstattungsdetails. Am Ende stehen optionale Buchstaben für Farbe und Material der Lünette.
Die Buchstabencodes: was LV, BLRO und BLNR bedeuten
Farbkürzel aus dem Französischen
Rolex verwendet für die Farbkürzel traditionell Abkürzungen aus dem Französischen, was historisch auf die Herkunft des Unternehmens zurückgeht. Das erklärt, warum die Codes auf den ersten Blick unlogisch wirken:
| Kürzel | Bedeutung (Französisch) | Farbe |
|---|---|---|
| LV | Lunette Verte | Grüne Lünette |
| LN | Lunette Noire | Schwarze Lünette |
| BLRO | Bleu / Rouge | Blau/Rot – "Pepsi" |
| BLNR | Bleu / Noir | Blau/Schwarz – "Batman" |
| CHNR | Chocolat / Noir | Braun/Schwarz – "Root Beer" |
| BKSO | Black / Steel / Oystersteel | Schwarz/Stahl |
Wichtige Referenzen im Überblick
Submariner
| Referenz | Modell | Merkmale |
|---|---|---|
| 16610 | Submariner Date (alt) | Schwarzes Zifferblatt, Aluminiumlünette (bis 2010) |
| 16610LV | Submariner "Kermit" | Schwarzes Zifferblatt, grüne Alu-Lünette (2003-2010) |
| 116610LN | Submariner Date | Schwarzes Zifferblatt, schwarze Cerachrom-Lünette (2010-2020) |
| 116610LV | Submariner "Hulk" | Grünes Zifferblatt, grüne Cerachrom-Lünette (2010-2020) |
| 126610LN | Submariner Date (aktuell) | Schwarzes Zifferblatt, schwarze Lünette (ab 2020) |
| 126610LV | Submariner "Starbucks" | Schwarzes Zifferblatt, grüne Lünette (ab 2020) |
GMT-Master II
| Referenz | Modell | Merkmale |
|---|---|---|
| 16710 | GMT-Master II (alt) | Verschiedene Lünettenfarben, Alu (bis 2007) |
| 116710BLNR | GMT-Master II "Batman" | Schwarz/blaue Cerachrom-Lünette (2013-2019) |
| 116719BLRO | GMT-Master II "Pepsi" Weißgold | Blau/rote Lünette, Weißgoldgehäuse |
| 126710BLRO | GMT-Master II "Pepsi" | Blau/rote Lünette, Oyster-Stahl (ab 2018) |
| 126720VTNR | GMT-Master II "Sprite" | Grün/schwarze Lünette, linke Krone (ab 2022) |
Praxistipp: Wenn Ihnen jemand eine Uhr als "Pepsi GMT" anbietet, fragen Sie immer nach der vollständigen Referenznummer. Ein echter Pepsi in Stahl ist 126710BLRO. Wer keine konkrete Referenz nennen kann oder zögert, hat oft etwas zu verbergen.
Alte vs. neue Referenzen: Warum das beim Kauf entscheidend ist
Das fünfstellige Altsystem
Bis Mitte der 2000er Jahre verwendete Rolex fünfstellige Referenzen. Der Übergang zum sechsstelligen System markiert in der Regel auch den Wechsel zu Cerachrom-Lünetten und weiteren technischen Verbesserungen. Für den Käufer ist das relevant: Ein Verkäufer, der eine "neue" Submariner mit einer fünfstelligen Referenz bewirbt, verkauft entweder ein älteres Modell oder irrt sich.
Referenz und Modell müssen zusammenpassen
Das ist der entscheidende Punkt aus dem Sandwich-Artikel: Wenn die Referenz 116610LN (schwarz/schwarz) lautet, die Uhr aber eine grüne Lünette trägt, stimmt irgendetwas nicht. Entweder wurden Teile getauscht, oder die Gravur wurde manipuliert. Beides ist ein klares Warnsignal.
Was kommt als Nächstes
Datejust, Day-Date und Daytona: die anderen großen Rolex-Familien
Submariner und GMT-Master sind die prominentesten Beispiele, aber das Rolex-Universum ist deutlich größer. Im nächsten Beitrag nehmen wir Datejust, Day-Date und Daytona unter die Lupe: Welche Referenzen gibt es, was sind die häufigsten Verwechslungen – und wo liegen die größten Risiken beim Gebrauchtkauf?
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